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Baffin Island
Auf alten Inuitwegen
durch eines der größten Granitgebirge der Erde
Seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts
stehen Eisbären weltweit unter Naturschutz. Die Bewohner der Arktis,
die Inuit, die seit jeher Jagd auf den weißen Bären machten,
dürfen weiterhin Eisbären auf traditionelle Weise (nicht vom
Motorschlitten aus) bejagen.
Zudem müssen sehr strenge Auflagen und Limitierungen
eingehalten werden. Das betrifft ebenfalls die Inuit von Baffin Island.
Diese Insel liegt zwischen 62° und 74° Nord, westlich von Grönland
und nordöstlich der kanadischen Hudson Bay. Baffin Island ist die
fünftgrößte Insel der Erde und gehört zu der kanadischen
Provinz Nuunavuut, die von Inuit selbst verwaltet wird.
Als Kurt und Herbert im März 2003 auf Baffin
Island bei –35° C eintrafen, erlitten sie neben einem Temperatur-,
auch einen Kulturschock: In der Siedlung Broughton Island, von der ihre
Tour beginnen sollte, kamen gerade einige einheimische Jäger von
der Eisbärenjagd zurück und zerlegten einen großen Bären
mitten im Ort! Solche Erlebnisse und so tiefe Temperaturen sind für
eine Mitteleuropäer wirklich nichts alltägliches!
Kurt und Herbert brauchten einige Tage um sich
buchstäblich zu akklimatisieren und letzte Vorbereitungen für
ihre Durchquerung von einem der größten Granitgebirge der Erde
zu treffen. Nachdem die behördliche Erlaubnis für ihre Tour
vorlag und auch zwei Schlittenhunde (zum Schutz gegen Eisbären und
zur Begleitung) organisiert waren, starteten sie.
Der Weg führte sie durch einen Nationalpark
von Broughton Island bis Pangnirtung. Die glatten Granitwände von
Mt. Thor und Mt. Asgard, die auf ihrer Route lagen sind bis zu 1500 m
hoch und konkurrieren in Schönheit und Form mit den patagonischen
Berühmtheiten wie Cerro Torre und Fitzroy. Sie waren mit Ski unterwegs
auf einem alten Inuitweg und jeder von ihnen zog einen großen Schlitten
(Pulka) mit Ausrüstung und Proviant. Sie hatten sich eine ältere
Hündin eingehandelt, die auch noch läufig war und absolut unmotiviert
manchmal vor und meist neben Herbert hertrottete. Kurt hatte einen Rüden
vor sich im Geschirr – er war recht scharf auf das läufige
Weibchen und zog dementsprechend. Doch in den Pausen war er meist erschöpft
und verlor nach und nach seine Motivation.
In Baffin Island, ähnlich wie in Spitzbergen
gab es zu dieser Jahreszeit aufgrund der tiefen Temperaturen und gleichzeitig
der sehr trockenen Luft nur wenig Niederschläge. Man sagt es sei
in weiten Teilen der Arktis trockener als in der Sahara! Hinzu kam noch
der ständig präsente Wind, der jeglichen losen Schnee wegblies.
Kurt und Herbert fanden eine wüstenähnlich Landschaft vor: In
den Talböden waren die Flüsse und Bäche zu blanken Eisflächen
erstarrt. Die blauen Spiegelflächen schlängelten sich unter
den Granitmajestäten. Größere zusammenhängende Schneeflächen
gab es kaum noch – der Untergrund bestand entweder aus Eis, festen,
windgepressten Schneefeldern, oder sandigem Boden und steiniger Tundra.
Das Vorankommen gestaltete sich mühsam. Mit
Ski fand man auf diesem eisigen Terrain kaum Halt und den Hunden erging
es nicht besser. Es blieb Kurt und Herbert nichts anderes übrig,
als für weite Strecken die Ski auf die Schlitten zu schnallen, um
mit Steigeisen auf den erstarrten Flüssen voranzukommen. An vielen
sandigen und steinigen Passagen mussten die beiden ihre schweren Schlitten
tragen.
Kurts Tagebucheintrag vom 22 März 2003:
Nachts konnte ich nicht viel schlafen. Schuld
daran waren die farbenprächtigen Nordlichter der sternenklaren und
bitterkalten Nächte. Gestern hatten wir ca. 20 Kilometer zurückgelegt.
Die Kondition von Herbert ist nach wie vor sehr gut, nur meine lässt
langsam nach. Die Rastzeiten könnten meiner Meinung länger ausfallen.
Wenn es so weitergeht, und das momentane Hochdruckwetter uns erhalten
bleibt, dann können wir morgen Abend unterhalb der riesigen Granitwände
des Mt. Thor campieren! Seit einigen Tagen ist dieser herrliche Pfeiler
in der Weite sichtbar
23. März 2003:
Am Morgen zeigt das Thermometer weiterhin –30°
Grad C. Zunächst geht es auf einem gefrorenen Flusslauf leicht bergab
und unsere Pulkas „tänzeln“ hinter uns her. Den beiden
Hunden zieht es buchstäblich den Boden unter ihren Füßen
weg. Sie können unserer Spur nicht mehr folgen und stellen momentan
absolut keine Hilfe beim Ziehen unserer Schlitten dar. Wir sind froh um
unsere Steigeisen! Immer wieder kippen unsere Pulkas seitlich um. Gemeinsam
richten wir sie wieder auf – eine aufreibende Arbeit.
Doch es sollte noch schlimmer werden: Am Nachmittag
müssen wir unsere Schlitten über Sand ziehen – Schnee
und Eis waren verschwunden. Teilweise ist es unmöglich die vollbeladenen
Schlitten alleine über diese Sandinseln zu ziehen. Ständig bleiben
wir stecken. Dabei komme ich sogar bei diesen Minustemperaturen ins Schwitzen.
Abends ist das Trocknen der Kleider mühsam: Die nassgeschwitzen Sache
muss man am Körper im Schlafsack trocknen. Andernfalls wären
sie steifgefroren nutzlos.
Während einer längern Pause versorge
ich die neuen Blasen an meinen Fersen. Ungemütlich bei – 25°
ohne Socken!
Zum Mt. Thor schafften sie es an jenem Abend nicht
mehr. Da es schon 18.00h war mussten sie sich um einen geeigneten Lagerplatz
kümmern. Die Erfahrung der vergangenen Tage hatte ihnen gezeigt,
dass gegen Abend der eisige Wind auffrischte und eine windige Nacht auf
einem ungeschützten Zeltplatz sehr ungemütlich sein konnte.
Wenig später fanden sie einen geeigneten Platz. Gemeinsam stellten
sie ihr Zelt auf und Herbert versorgte die Hunde. Mit Eisschrauben fixierte
er die Leinen im Eis. Kurt begann in der Zwischenzeit zu kochen. Nudeln
mit Speck standen auf dem Menü.
....Unglaublich gut schmeckt ein so einfaches
Mahl nach einem so anstrengenden Tag! Es ist immer wieder faszinierend,
wie sich mein Appetit nach solchen Strapazen in dieser Kälte zu einem
Bärenhunger entwickelt! Es ist ein Hochgenuss nach so einem Tag die
müden Beine hochzulegen und zu spüren, wie jeder einzelne Löffel
Nahrung den Körper stärkt und ihm Wärme zuführt. Die
Mahlzeiten an sich werden zu Ritualen und zu einzelnen Höhepunkten
an solchen Tagen. Der gleichzeitige Blick auf die Granitwände im
rötlichen Abendlicht machen diese Momente zu unvergesslichen Erlebnissen
unterwegs. Es ist ein unbeschreibliches Glück, das man dabei verspürt!
Nach drei Wochen erreichten Kurt und Herbert mit
ihren beiden Schlittenhunden ihr Ziel, Pangnirtung. Dort feierten die
Einheimischen zu jenem Zeitpunkt Mitte April „Tunik-Time“,
ein Fest an dem viel getanzt, gesungen, musiziert und verschiedenste Tätigkeiten
dargestellt wurden. Die beiden erlebten nach ihrer intensiven Zeit draußen
in der Wildnis besonders sensibel zum einen die Festlichkeiten und zum
anderen die unzähligen Probleme der Bevölkerung, die man als
Gast nur erahnen kann.
Viele Gegenden der Arktis wurden erst vor 60
bis 80 Jahren westlich „zivilisiert“. Es ist offensichtlich,
dass dieser Sprung aus einem steinzeitlichen Nomadenleben zu einem sesshaften
modernen Lebensstil kaum eine Kultur verkrafteten. Darum kann man den
großen seelischen Konflikt in der Bevölkerung gut verstehen.
Ihre Lebensfreude, für die die Inuit bekannt sind, prallt auf oft
aussichtslose Zukunftschancen. Alkohol, Eifersuchtsdramen, Selbstmord
und Gewalt sind ständig präsent.
Iglubau:
Ein kuppelförmiges Gebäude aus Schneeblöcken
nennen wir „Iglu“, in der Sprache der Inuit („Menschen“)
ist es schlicht eine feste Behausung aus Stein und Grass. Auf längeren
Jagdausflügen wurde es benötigt und nannten es „Illuliaq.
Auch heute noch reist kein Inuit-Jäger ohne seinem Schneemesser.
Kein Zelt dieser Erde könnte eine echte Konkurrenz gegenüber
des Iglus darstellen.
Es widersteht jedem Sturm, durch die dicken Schneemauern also ein idealer
Windschutz.
Die Vorteile des Iglus gegenüber der Zeltunterkunft
sind riesig, geräumiger, ruhiger, trockener und natürlich wärmer.
Bald erkannten das auch die Polarforscher und konnten die Vorteile bestens
nützten um auf die Ziele wie Nordpol schneller und weiter reisen
zu können.
„Was die Häuser betrifft
(Winter-Expeditions-Unterkunft).
waren die Eskimos („Rohfleischesser“) interessiert, wie wir
die Holzstücke mit Metallnägeln fixierten. Sie waren nicht
viele Stunden mit uns, als sie sich beklagten über die
Feuchtigkeit und über die immer nasser werdenden
Fellkleider in solch einem Hause.“
Stefansson, The friendly Arctic, 1916
Herbert und ich waren für einige Wochen auf
Baffin - Island unterwegs. Natürlich wussten
wir Bescheid wegen dem Stürmischen Daseins des Windes. Das Schneemesser
war unser ständiger Begleiter und ein wahrer Freund geworden. Nicht
das wir unser Zelt verloren hätten, doch zu einen längeren Arktisaufenthalts
ist es unentbehrlich.
Wir waren nun schon knappe zwei Wochen am Weg,
der Proviant und Benzin waren ausreichend, wir planten einen Tag Pause.
Ich konnte endlich meine müden Knochen etwas Ruhe vergönnen,
doch Herbert baute uns für zwei Nächte ein sehr angenehmes Zuhause.
Nachträglich gesehen ist in ihm ein Inuit
verlorengegangen. Spaß bei Seite, nun einige
wichtige Tipps. OK hier hoch im Norden findet man reichlich windgepackten
Schnee. Im Gegensatz zu den Alpen liegt hier um vielfaches weniger an
Schnee.
Eigentlich kann man mit allen Schneecharakteren
ein Iglu errichten. Die Wahl des Platzes ist sehr von Nöten und dessen
Eingang. Der Eingang sollte so an die 90 Grad zum Wind entstehen.( Leeseite
würde verweht werden, zum Wind würde er verweht werden).
Der Platz muss nicht flach sein, kann auch an
Hängen gebaut werden( benötigt etwas mehr
an Erfahrung).
Die Länge der Schneesäge ist wichtig,
ideal wäre 50cm. Das Sägeblatt sollte eine Höhe von mindestens
5cm erreichen. Doch ein Geübter kann auch mit anderen Mitteln ein
Iglu erbauen ( Schispitzen). Nur Zeit sollte man schon etwas mitbringen,
speziell wenn es das erste Iglu werden sollte. Einen Tag sollte man da
schon einplanen. In Notsituationen ein solches zu bauen, dafür benötigt
man schon etwas an Erfahrung.
Wichtig ist das
schneiden der Blöcke, je größer umso besser, kniffelig
ist das arbeiten mit den
Blöcken. Keinesfalls sollte da Kraft ausgeübt werden, sengrecht
beginnend mit einer sägender Bewegung. Anschließend die zwei
kurzen seitlichen, vertikalen Schnitte, Vorsicht nicht zu tief um nicht
die nächste Reihe verletzt. Der letzte Schnitt wird der untere sein.
Wenn alle Schnitte brav geführt wurden, wird man mit einem dumpfen
Ton belohnt.
Jeder Block sollte nur an drei Punkten Kontakt
haben, zuerst werden sie aufrecht gesetzt, anschließend kippt man
sie vorsichtig hinein.Nach der ersten erfolgreichen
Reihe, errichtet man eine Spirale, Reihe um Reihe folgt. Also vor dem
Schlussblock oder Stein muss an sich keiner die Hosen voll haben. Der
Block sollte größer sein als der Durchmesser, bis er sitzt
an seinem Platz, passt man ihn von ihnen her an.
Die Arbeit ist fertig, nachdem alle Fugen mit
Schnee abgedichtet sind. Noch nicht ganz ist unsere Behausung fertiggestellt.
Ein Kältegraben im Inneren, dadurch kann die kalte Luft absinken
und in der Schulterhöhe ist es um mindestens 80 Prozent wärmer
(je nach Außentemperatur). Mit zwei Lichtern einer Kerze kann man
sogar lesen, sofern man etwas dabei hat.
So und nun
Gute Nacht
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